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Gerade aus dieser subjektiv gefärbten und gewiß auch geschönten Fassung von Geschichte ergeben sich Einblicke in die Wirklichkeit von einst und heute, die mit Statistik und Soziologie in ihrem derzeitigen Zustand nicht zu gewinnen sind. So müssen die an wirklich geschehener Geschichte Interessierten - und das sind nicht viele - es aushalten, daß da jemand durch den Greifswalder Dom sinniert, nicht von ferne wie einst der Zöllner im Tempel, sondern ohne große Distanz und ziemlich wortreich.
Jens Langer
Mecklenburgische Kirchenzeitung, 10. September 1995
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Unter dem Namen »Orion« wurde Horst Gienke, bis 1989 Bischof der Greifswalder Landeskirche, ohne sein Wissen bei der Stasi als IM geführt. Wer nun aber in diesem Buch Informationen zu diesem Thema erwartet, sieht sich enttäuscht.
Denn es geht um den Weg eines Journalisten, der aus evangelischer Familie und Tradition kam, dann in der SED beim Rat des Bezirkes Rostock Leiter der Abteilung Kultur wurde und in dieser Funktion mit kirchlichen Amtsstellen bei der Innenrenovierung des Greifswalder Domes zu tun hatte. Da der Dom die Predigtkirche des Bischofs war und Horst Gienke sich in besonderer Weise für seine Renovierung einsetzte, begegnete Gundlach dem Bischof in regelmäßigen Abständen und war tief beeindruckt von der Lauterkeit des Bischofs, der manchmal die Gegenwart verkannte, dem Parteifunktionär aber stets als überzeugender Christ entgegentrat.
Als Höhepunkt dieses gemeinsamen Weges sieht Heinz Gundlach seine Woche in Zingst bei der Beschäftigung mit der Barther (plattdeutschen) Bibelübersetzung: er nahm an dieser Woche von Anfang bis Ende teil. Wenn er auch nicht in den Schoß der Kirche zurückkehrte, tat er für sie doch, was ihm möglich schien und möglich war. Das war damals vor allem die Bereitstellung von Geldern, die der Domgemeinde und der Landeskirche bitter fehlten. Der gemeinsame Weg endete mit der Synode in Züssow im Herbst 1989, auf der dem Bischof das Vertrauen seiner Kirche entzogen wurden, und mit der Wende, wo Gundlach seine Funktion verlor.
Hatte er bisher die Kirche von oben gesehen, sah er sie nun von ganz unten, erlebte er, daß manche Pastoren sich sehr schnell etablierten und ihre neue Macht auskosteten. Er erlebte schmerzlich, daß Amtsträger, die bisher sein Gespräch gesucht hatten, ihn plötzlich nicht mehr kannten. Und er fragt sich als einer, der auf dem Weg ist und bis heute Kontakt zu Horst Gienke hält, was denn Kirche eigentlich für die Gesellschaft bedeutet.
Es ist ein sehr persönliches Buch. Heinz Gundlach arbeitet seinen bisherigen Weg auf. Manches wünschte man sich ausführlicher. Manches wurde nur angedeutet und es ist nur Eingeweihten nachvollziehbar. »Personen, Handlungsorte und Umstände waren wirklich. Sie haben sich beim Nachdenken und Schreiben verändert. Nur noch vorhandene Ähnlichkeiten sind mehr zufällig.«
Es ist ein Buch, das zum Nachdenken über die Vergangenheit und zum Gespräch über die Gegenwart und Zukunft der Kirche anregen möchte. So plant der Autor, wenn er zu Buchlesungen eingeladen wird, auch immer ein Gespräch mit seinen Zuhörern ein. Kürzlich las Heinz Gundlach eine Stunde lang aus seinem Buch in der Kirchengemeinde Graal-Müritz. Anschließend diskutierte er 1 1/2 Stunden mit den Gemeindegliedern. Christliche Gemeinden sollten sich wohl mit der Grundproblematik von Gundlachs Buch auseinandersetzen.
Joachim Puttkammer (Der Autor dieser Rezension war von 1979 bis 1990 Dompfarrer in Greifswald.)
Mecklenburgische Volkszeitung, 10. September 1995
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Ein scharfes Für und Wider hat sich nach Erscheinen dieser Publikation besonders in Greifswald ergeben. Unbestreitbar aber ist der Wille des Autors, Zeitgeschichte am eigenen Beispiel in persönlicher Reflexion zu hinterfragen.
Der Reiter, 27. September 1996
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